Mittwoch, 23. April 2014

Die erste Erleichterung

Drei Tage habe ich in diesem Schreckens-Krankenhaus durchgehalten. Mein Freund wollte mich von Anfang an so schnell wie möglich verlegen lassen, aber da ich mich nicht recht traute aus dem Bett aufzustehen war mir am Tag meiner Verlegung ziemlich mulmig zu Mute. In den drei vorangegangenen Tage hat sich nicht viel getan. Ich hatte keine Wehen, einmal am Tag ließ sich ein Arzt blicken der mir den Bauch abtastete (ich wurde nicht ein einziges Mal an ein CTG angeschlossen) und dann etwas gelangweilt erklärte, dass man jetzt noch nicht viel tun könne. Natürlich könne man eine Cerclage legen, müsse aber noch den Befund der Abstriche abwarten und in den USA sei es ja so, dass Fälle wie meiner wenn dann ambulant behandelt würden weil die Kosten für einen Klinikaufenthalt ohne Krankenversicherungssystem unbezahlbar seien- aha und was hat das mit mir zu tun? 

Die Krönung war der Besuch des Chefarztes am Tag meiner Verlegung. Er huschte rein mit seiner Entourage von 6-7 Oberärzten und Assistenzärzten und fragte vorwurfsvoll warum ich denn eine Verlegung wünsche, die Kollegen hätten doch laut Aussage von Schwester XY sehr viel Zeit in meinem Zimmerchen verbracht und mir meine Lage ausführlichst erklärt. Dann ratterte er noch mal runter was ich bereits- mit ein paar Abweichungen- von seinen weniger qualifizierten Kollegen erfahren hatte und schien sich währenddessen zu besinnen, dass ich doch wenn ich es unbedingt wünsche so schnell wie möglich verlegt werden soll (damit mein Bett ratz fatz wieder belegt werden kann). 


Ich war so froh als ich diesen hässlichen, depressiv-machenden Kasten endlich verlassen durfte und mit meinem Freund in dem Auto auf dem Weg ins andere Krankenhaus saß.

Schon bei der Ankunft war ich so erleichtert und dies steigerte sich noch mehr als ich zur Aufnahme in den Kreissaal kam und von den nettesten Hebamme untersucht worden bin. Die diensthabende Ärztin schaute sich meine Situation dann noch mal genau auf dem Ultraschall an und befand zwar, dass dies keine schöne Situation sei- Cervix verkürzt, Fruchtblasenprolaps durch Öffnung des Muttermundes- aber machte uns Mut. Ich wurde dann wieder stationär aufgenommen und durfte in einem sehr schönen Zimmer am Bach liegen und abwarten was denn die Abstriche ergeben würden...



Am nächsten Morgen kamen dann bereits eine sehr fröhliche Oberärztin und eine Assistenzärztin zu mir und erklärten, dass bei meinem Befund keine Bakterien entdeckt worden sind und ich bereits am nächsten Tag unter eine kurzen Vollnarkose eine Cerclage- ein Band um meinen Muttermund wieder zu verschließen- gelegt bekommen könnte. Ich entschied mich eigentlich direkt dafür, hatte nur kurz Bedenken wegen der Vollnarkose weil ich noch nie narkotisiert worden bin und natürlich Angst hatte, dass es nicht gut für das Baby ist. Als Allererste wurde ich dann früh morgens abgeholt und in den OP gekarrt. Mein Freund war natürlich wieder direkt zur Stelle- in dem Krankenhaus konnte er leider nicht einfach so bei mir übernachten, worüber ich Nachts kurz geweint habe- und ich versuchte mich zu beruhigen. Ich hatte solche Angst, dass etwas schief gehen und die Fruchtblase beschädigt wird und ich aufwache und das Kind verloren hätte. Die Ärztin hatte mir in dem Vorgespräch zwar versichert, dass in dem Krankenhaus die Cerclage auch bei weitaus dramatischeren Fällen gelegt wurden ist aber Angst hat man trotzdem.

Ich lag auf dem OP-Tisch und habe gezittert während alle Maßnahmen zur Vollnarkose getroffen wurden. Der Narkosearzt fragte mich ob ich mir denn schon einen Traum ausgesucht hätte, sehr geschickt denn dadurch habe ich natürlich angestrengt überlegt an was ich denken möchte während ich langsam in den Schlaf gleite. Und ehe ich mich versah wurde mir auch schon das Narkotikum gespritzt und ich war nicht wie angekündigt nach 20-30 Sekunden weg sondern nach gefühlten 5....was für ein Gefühl. Als ich aufwachte wurde ich bereits wieder in mein Bett gehievt und von Weitem hörte ich, dass alles gut gelaufen sei. Mein Freund war direkt wieder neben mir als ich zur Beobachtung in den Kreissaal geschoben wurde. Ich hatte Wehen- auaaa. So fühlt sich das also an. Wie Periodenschmerzen- in dem Fall- mindestens mal 2! Sofort kam ich an die Tokolyse und mein Herzschlag verdoppelte sich. Nach ca. 1 Stunde pendelte sich zum Glück wieder alles ein, aber an Essen war für den Rest des Tages nicht mehr zu denken.

Nach und nach wurde die Dosis des Wehenhemmers verringert und nach 48 Stunden durfte ich endlich weg vom Tropf. Die Ärzte kamen am nächsten Tag und waren sehr zufrieden mit dem Ergebnis. Die Fruchtblase hätte zwar 1 cm rausgeragt- ich kann mir unter diesen Dimension leider nur wenig vorstellen- aber sie konnten sie gut zurück drängen und hätten auch nur ein einfaches Band für den Muttermundverschluss gebraucht. Im Laufe meines insgesamt 6-tägigen Aufenthaltes erhielt ich dann unterschiedliche Aussagen wie ich mich denn ab jetzt verhalten dürfte. Ich solle erstmal wieder aufstehen und zu Fuß zum CTG gehen und dann würde noch mal auf dem Ultraschall überprüft wie alles aussähe. Ärztin Nr.1: Treppen steigen? Nur einmal am Tag! Ärztin Nr.2: Wenn dann doch besser nur einmal in der Woche....Liegen- vorwiegend oder doch nur wenn der Bauch hart wird...Lungenreife? Noch nicht nötig, die würde ja nach 2 Wochen wieder verpuffen und es sehe nicht so aus als ob das Baby in den nächsten Wochen kommen würde...

Mit diesen Informationen wurde ich dann entlassen. Die Ärztin die mich bei meiner Aufnahme untersucht hat war zufrieden bei der Abschlussuntersuchung und nahm sich auch noch einen Tag vor der Entlassung viel Zeit um mir die Problematik meines Falls zu erklären. Der Cervixkanal sei bei ca. 3 cm, ein Trichter sei zwar da aber der Muttermund wieder geschlossen....hört sich doch gut an oder???
Nicht wenn man meinen Frauenarzt fragt, der verfiel in große Panik als ich ein paar Tage später bei ihm war, verunsichert durch einen- Entschuldigung an dieser Stelle- etwas zähflüssig-schleimigen Ausfluss. Ich muss dazu kurz bemerken, dass er zwar die Cervixinsuffizienz bei mir festgestellt hat wofür ich ihm auch sehr dankbar bin aber eine seeeehr altmodische Praxis hat. Er behauptete, dass es sein könnte, dass sich Fruchtwasser in dem Ausfluss befinden könnte, stellte bei mir erneut einen Prolaps fest und war geschockt, dass ich während meines Krankenhausaufenthaltes keine Lungenreife durchführen ließ. Mit den Worten ich säße auf einem Pulverfass stellte er mir wieder eine Einweisung in das Krankenhaus aus. Ich war am Boden zerstört und bettelte, dass ich Hauptsache wieder in das schöne Krankenhaus gebracht würde.

Meine Mutter und meine beste Freundin bestellten einen Krankentransport weil wir nun wirklich dachten, dass ich mich am besten gar nicht mehr bewege und liegend in das Krankenhaus eingewiesen werde. Meinem Freund sagten wir nix, er wäre glaube ich durchgedreht. Während ich auf der Liege im holprigen Krankenwagen lag habe ich einfach nur stumpf auf den Himmel geschaut, ich war total verwirrt und verunsichert. Zurück im Krankenhaus überkam mich wieder eine große Entspannung. Ich durchlief wieder das übliche Procedere- CTG- unauffällig- und dann Ultraschall- zu meiner großen Überraschung unverändert seit meiner Entlassung. Was bitte hatte mein Frauenarzt da bitte auf seinem Gerät gesehen. Die Ärztin im Krankenhaus mutmaßte, dass er vielleicht in der Eile meine Blase- HARNBLASE- mit meiner Fruchtblase verwechselt hatte. Eins weiß ich jetzt wenigstens sicher: Zu ihm gehe ich nicht wieder, Erfahrung hin oder her da gehe ich doch lieber zu meiner Frauenärztin vom Anfang, die sich zwar oft etwas stur auf alle Arten von Studien beruft aber zumindest neuere Techniken verwendet...

Bereits am nächsten Tag wurde ich schon wieder entlassen, nach dem mich noch mal der Chefarzt unter die Lupe genommen hat und meinte, dass eine Lungenreife noch nicht nötig sei. Zur Verteidigung meines Frauenarztes, der wohl selber mal Oberarzt in einem Hospital gewesen ist, sagte er dass zu seinen Zeiten wohl ständig die Lungenreife durchgeführt worden ist, man diese heute aber nicht mehr so oft und am besten nur wenn dringend nötig- bei Wehen- durchgeführt werden muss. AHA. Sitze nun immernoch etwas auf heißen Kohlen bzw. auf dem Pulverfass weil die Lungenreife ja nun mal wichtig für das Überleben des Babys ist, wenn es zu einer Frühgeburt kommen sollte. Andererseits ist es ja witzlos die Lungenreife durchführen zu lassen und nach 2 Wochen steht man wieder vor dem selben Problem.

Nachdem ich also dieses süße Krankenhaus verlassen habe...(das Bild ist etwas älter)




....liege ich im Bett- zähle ich die Hürden: 26. SSW, 28. SSW (ab da dürfte ich in St. Bethlehem entbinden und müsste nie mehr in die schreckliche UK), 30 SSW, 32 SSW und schone mich und schreibe diesen Blog über meine Liegeschwangerschaft.

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